inneres Kind

Derzeit beschäftige ich mich aktiv mit meinen Glaubenssätzen. Grund hierfür ist, dass ich mich zum einen von meinen Ängsten lösen, oder zumindest lernen möchte, besser mit ihnen umzugehen und zum anderen, weil ich Gewohnheiten, die mir nicht gefallen, verändern will. Um dies zu schaffen muss ich aber erst einmal der Ursache für mein Verhalten, sei es das Angstverhalten oder das gewohnheitsmäßige Verhalte, erkennen und hinterfragen.

Mir hilft dabei gerade sehr die Auseinandersetzung mit meinem inneren Kind. Also mit dem Teil in mir, der nicht erwachsen geworden ist und gedanklich und gefühlsmäßig immer noch in meiner Kindheit hängt. Der Teil, der sich oft allein und unsicher fühlt, der keine Verantwortung übernehmen kann und an sich selbst zweifelt.

Das innere Kind ist weitaus komplexer als hier jetzt angedeutet und es umfasst auch nicht nur die negativen Aspekte meines Verhaltens. Aber dies ist der Part auf den ich mich im heutigen Post konzentrieren möchte.

Ich war bockig …

Julia Tomuschat nennt diesen traurigen, verletzten Anteil des inneren Kindes Schattenkind. In den letzten Wochen habe ich viel zu meinem Schattenkind gelesen und bin auch immer wieder ganz bewusst in seine Welt abgetaucht. Heißt, ich habe mich darauf eingelassen zu fühlen was mein trauriges inneres Kind fühlt und zwar ganz beabsichtigt.

Leider bin ich mir aber bisher im Alltag dennoch nie bewusst gewesen, wann mein Erwachsenes-Ich (mein vernünftiger Verstand) und wann mein inneres Kind das Ruder übernommen hat. Dabei ist es eigentlich so einfach…

Schattenkind

Vor einigen Tagen gab es dann eine Situation, wo ich zum ersten mal ganz klar reflektieren konnte, dass ich volle Kanne im Modus meines inneren, verletzten Kindes unterwegs war.

Mein Freund und ich mussten unser Auto zur Werkstatt bringen, es stand alles an: TÜV, Inspektion und Reifenwechsel. Bei der Anmeldung, natürlich mit Termin, war der Herr in der Werkstatt sehr verblüfft, dass wir auch TÜV haben wollen. Ich wäre beinahe geplatzt, denn wir waren inzwischen zum zweiten Mal deswegen da, weil man es auch beim ersten Mal versäumt hatte uns richtig zu informieren. Leider bin ich direkt auf Verteidigung gegangen und habe den armen Mann mehr oder weniger blöd angemacht.

Das war aber gar nicht das Problem. Das eigentliche Problem war, dass sich mein Freund völlig übergangen fühlte und der Ansicht gewesen ist, ich würde ihm nicht zutrauen die Situation zu regeln (da reagierte im übrigen sein inneres Kind…). Als wir also die Werkstatt verließen gerieten wir böse aneinander und machten uns, tatsächlich, wie Kleinkinder blöd an und reagierten beide gekränkt.

Mir war hier immer noch nicht bewusst, was da gerade eigentlich in mir passiert.

Ein Konflikt, Stress oder eine Verletzung lösen bei mir den Wunsch nach essen aus. Leider habe ich mir dieses Verhalten in meiner Kindheit angewöhnt. Heute ist es ein unbewusster Prozess, ein Verlangen, welches ich nicht wirklich steuern kann.

Ich wurde also durch den Streit immer pampiger, maulte rum und plötzlich war ich im Fress-Modus. Ich wollte, ganz den alten Gewohnheiten folgen, mich einfach mit FastFood und Süßkram vollstopfen. Scheiß auf morgen. Scheiß aufs Abnehmen und die Gesundheit. Alles egal. Hauptsache mein Kopf wird endlich wieder ruhig, oder, genauer gesagt, ich höre auf zu fühlen.

… das Schattenkind …

Ich hatte mich komplett abgekapselt. Rational war in mir nichts mehr. Meine Gefühlte waren hinter einer dicken Mauer irgendwo im tiefsten Winkel meines Körpers abgeschottet und mein Verstand war bockig.

Mein Freund half mir in dem er mich genau darauf hinwies. „Du fühlst schon wieder nicht“, sagte er.

Ich war sauer. Ich wollte ja auch nicht fühlen. Aber ich wollte auch nicht wieder in meine alten Muster zurückfallen. Also stand ich auf, ging in die Küche und nahm mir einen Moment für mich während ich mir meine Shake zubereitete.

„Was ist los? Was war passiert? Wie fühlst du dich?“ Verletzt! Ungeliebt! Ungenügend! Abgelehnt! Herzlich Willkommen Bestätigung meiner negativen Glaubenssätze!

Ich war da, bei meinen kindlichen Prägungen. Mein Freund hatte mich kritisiert. Die kleine Angela fühlt sich ausgeschimpft, abgelehnt, nicht geliebt. Sie ist ein schlechter Mensch, stellt sich dumm an, hat die Erwartungen wieder einmal nicht erfüllen können.

Wow, siehst du, was hier passiert ist? Ich war mir zum ersten mal 100% im Klaren darüber, dass mein inneres Kind die volle Kontrolle über mein Denken, Fühlen und Handeln übernommen hatte.

Glaubenssätze

Ab jetzt war es relativ einfach für mich, da wieder raus zu kommen. Ich ließ meine Gefühle zu, sprach mit meinem Freund, der mich natürlich immer noch genau so liebt wie vor der Diskussion, ich sprach mit der kleinen Angela, tröstete mich und fokussierte mich wieder auf meine Ziele.

Unsere kindlichen Prägungen, die Erfahrungen und die Verhaltens-Gewohnheiten, die wir daraus entwickelt haben sind so unglaublich mächtig. Ich bin sehr dankbar, dass ich dies jetzt so bewusst wahrnehmen konnte.

Ab jetzt arbeite ich genau daran. Wie genau das aussieht erzähl ich dir ein anders mal…


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