Selbstreflexion

Kennst du diese Menschen, die ständig an anderen herumnörgeln oder hinter ihrem Rücken über sie reden? Die kritisieren und schimpfen und einfach nicht wieder aufhören können? Am besten finde ich es, wenn sie andere dafür kritisieren, dass diese permanent über etwas meckern. Sie merken dabei selbst gar nicht, dass auch sie ständig über etwas meckern…

Ich kenne solche Leute nicht nur, ich war langezeit eine von ihnen und bin es vermutlich ab und an auch heute noch.

WIE SÄHE DEIN ZEUGNIS AUS?

Ganz ehrlich, es gibt einfach auch Situation, da kann ich nicht an mir halten und leider habe ich auch noch nicht gelernt, mir mein inneres Urteil nach meinem ersten Eindruck zu verkneifen. Und zu allem Überfluss kommt auch noch dazu, dass ich mich einfach tierisch gerne aufrege, das kann so richtig schön viel Spaß machen 🙂

Doch seit ich mich mit Dankbarkeit, positivem Denken, Achtsamkeit und all diesen wundervollen Dingen beschäftige bin ich deutlich reflektierter als früher. Und wenn uns eine Sache hilft, andere Menschen und dessen Verhalten besser zu verstehen, dann ist es definitiv Selbstreflexion.

Gerne würde ich dir jetzt zwanzig Tips und Übungen mit an die Hand geben wie du schnell und einfach lernst, dich selbst regelmäßig zu reflektieren. Doch leider kenne ich diese selbst (noch) nicht.

Wenn man sich ein bisschen durch das Internet wühlt findet man zum Thema Selbstreflexion vor allem Hilfestellung bezüglich (beruflichen) Erfolg. Mir geht es heute aber nicht um deine Erfolge. Mir geht es darum, dass du bemerkst, dass du Menschen Unrecht tust, zu schnell (ver)urteilst und feststellst, dass andere Menschen genau so ihre Fehler haben wie du, und natürlich auch wie ich.

BIST DU WIRKLICH BESSER?

Wie gesagt, ich habe keine zwanzig Tips die dir helfen, dich regelmäßig selbst zu reflektieren. Dafür möchte ich dir aber gerne drei kleine und mehr oder weniger schnelle Möglichkeiten nennen, wie du dich selbst reflektieren kannst und einen Weg findest, andere nicht mehr so schnell zu verurteilen:

Abstand nehmen: Wenn du in einer Situation steckst, in der du dich beim Fluchen beobachtest oder dich über etwas aufregst, dann versuche mal Abstand zu nehmen. Abstand von der Situation und vielleicht sogar von dir und deinen Emotionen. Drück mal ganz kurz auf Pause. Atme durch und dann versuche, die Situation neu zu bewerten. Ist es wirklich so, wie du es empfindest oder könnte es auch ganz anders sein? Wirst du angegriffen oder ist es eigentlich nur eine rausgelassene Unzufriedenheit deines Gegenübers? Lohnt es sich, sich aufzuregen? Wird sich dadurch etwas ändern?

Durch den Abstand und den neuen Sauerstoff kannst du ganz schnell herunterkommen und wieder klarer denken. Gerade das Durchatmen hilft mir immer wieder ungemein.

Frag andere: Wenn du dich selbst nicht aus einer Situation herausnehmen und dich beruhigen kannst, dann frag doch mal jemanden, wie er das ganze empfindet. Du kannst es ganz plump machen: „Reg ich mich zu sehr auf? Stelle ich mich an? Sehe ich das falsch?“ Ganz einfache Fragen auf die der andere dann antworten kann.

In der Regel wirst du zwar Zustimmung bekommen, aber eben auch darauf hingewiesen werden, dass es nicht so schlimm ist wie es dir gerade erscheint. Vielleicht wirst du sogar darauf aufmerksam gemacht, dass du zu aufbrausend bist und, je nach dem wie weit dein Gesprächspartner in seiner persönlichen Entwicklung ist, wird er dir vorschlagen, mal die Perspektive deines Zielobjekts einzunehmen.

Glaub mir, es kann immer Gründe für jedes noch so unverständliche Verhalten geben. Nur weil wir es gerade nicht nachvollziehen können, heißt es nicht, dass es wirklich so doof ist wie es uns vorkommt.

Erstelle dir ein Zeugnis: Stelle dir regelmäßig ein eigenes Zeugnis aus. Wie das aussehen kann ist dir selbst überlassen. Achte nur darauf, dass du dich in genau den Dingen bewertest, die du bei anderen kritisierst.

Zeugnis

Wie du siehst habe ich mich für die Werte Meckern, Respekt, Ehrlichkeit, Verständnis, Optimismus, Rücksichtnahme, Zuverlässigkeit und Zeitmanagement entschieden.

Nun könnte ich mich einmal in der Woche hinsetzen und die letzten Tage reflektieren: Wie viel habe ich über was auch immer gemeckert? War ich verlässlich und pünktlich? War ich anderen und mir gegenüber ehrlich, hatte ich Verständnis, habe ich Rücksicht genommen und wie positiv waren meine Gedanken in letzter Zeit?

Wie du deine Punkte bewertest bleibt dir überlassen. Du kannst mit einer Skala von 0 = gar nicht vorhanden/gut bis 10 = sehr gut arbeiten. Du kannst aber auch wie auf einem Schulzeugnis Noten von 1 bis 6 vergeben oder einfach Ja und Nein reinschreiben.

Am Ende ziehe noch ein Gesamtfazit, quasi wie eine Abiturnote mit der du die Schule = die Woche verlässt. Auf diese Art beschäftigst du dich wirklich mit den Punkten, die du an anderen kritisierst und kannst reflektieren, wie denn dein Verhalten diesbezüglich eigentlich ist. Für die Mutigen unter euch: Fragt doch mal eure Eltern, Partner oder Freunde wie sie euch in den jeweiligen Kategorien einschätzen würden.

REFLEKTIERE DICH SELBST!

Ganz allgemein kann ich nur dazu aufrufen, dass wir alle viel öfter innehalten, durchatmen und versuchen sollten, uns in die Situation des anderen hineinzuversetzen. Ja, du hast Recht, das geht nicht immer. Aber wir können das trainieren.

Ich kann nur für mich sprechen und ich muss sagen, dass ich mich viel schneller beruhige und nicht mehr ganz so sehr aus der Haut fahre seit ich mich immer öfter daran erinnere, dass ich nicht alle Gründe kennen kann und versuche, mich in die Situation meines Kritikopfers hineinzuversetzen.

Zu deiner und meiner Erleichterung: Du musst das nicht immer machen. Ich liebe es, zu meckern und zu schimpfen. Ich mache mir so einfach Luft und explodiere nicht so leicht. Also, meckern ist nicht so schlimm, nur sollten wir versuchen, nicht unfair zu werden. Und dabei kann Selbstreflexion sehr behilflich sein!

Wie würde dein Zeugnis aussehen? Teile es gerne in den Kommentaren mit mir!


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