Sonntagmittag. 13:05 Uhr. Ich sitze seit fünf Minuten wieder auf dem Sofa und starre den blickenden Cursor auf meinem Display an.

Vor etwas über einer Stunde laß ich einen Blogeintrag von Conni. Sie gibt wahnsinnig viele Tips dazu, wie man es schafft, mit seinem Herzen zu schreiben. Ein spannender Artikel. Aber er erreichte mich irgendwie nicht.

Ich glaube es passierte bei dem Punkt „Find out what you mission is“.

Ich kann das einfach nicht mehr hören. Ganz ehrlich, es kotzt mich an. Es zieht mich runter, macht mich depressiv, bringt mich zum weinen. Immer und immer wieder lese ich, ich müsse einfach nur tun, was mein Herz mir sagt, finden, wofür ich brenne und schon wird alles gut. Verdammt noch mal, geht’s noch? Es ist doch nun wirklich nicht so als ob jeder von uns seine Passion auf der Zunge trägt.

Ich bin überzeugt davon, dass wir alle etwas in uns tragen, was uns wirklich glücklich macht. In jedem von uns gibt es diese eine Sache (oder mehrere), die uns fesselt, dafür sorgt, dass wir mit einem Dauergrinsen die Zeit vergessen und uns leicht und glücklich fühlen.

Aber nicht jeder von uns kennt diese Passion. Nicht jedem von uns ist bewusst, was uns zum brennen bringt. Ok. Stop. Ich will nicht unfair werden oder gar was falsches sagen, daher: Ich kenne meine Passion nicht. Mir ist nicht bewusst, was mich zum brennen bringt.

„ES KOTZT MICH AN“

Ja, ich fühle mich leicht wenn ich am Meer bin, ich vergesse die Zeit, wenn ich eine Website aufbaue, fotografiere und Bilder bearbeite und ich liebe es, in eine Videokamera zu sabbeln. Aber nichts davon fühlt sich an wie eine Passion. Nichts davon berührt mich unglaublich und fühlt sich nach dieser einen großen Sache an.

Warum nicht? Ich glaube, weil ich mein Warum doch nicht kenne.

Warum fotografiere ich? Die Antwort ist einfach: Ich mag es, schöne Bilder zu kreieren, Menschen damit eine Freude zu machen, ihnen zu zeigen, wie hübsch sie sind und durch ihre Dankbarkeit selbst viel Wertschätzung und Anerkennung zu erfahren. Das mag schon ein gutes Warum sein, aber es fühlt sich für mich nicht nach etwas an, mit dem ich nach draußen gehen kann. Und ich glaube, wer eine Passion hat, ein richtig starkes Warum, das Ding, für das er so unglaublich brennt und bereit ist, alle eigenen Ängste zu überwinden und Zweifel zu besiegen, der kann etwas kreieren, was andere Menschen inspiriert, motiviert, bereichert oder unterstützt. Etwas, dass einen offensichtlichen, greifbaren Mehrwert bietet.

Ich habe dieses Warum nicht.

Vielleicht bin ich auch total auf dem falschen Weg und zerdenke mir alles. Muss ein Warum automatisch zu einem Mehrwert für andere führen? Vermutlich nicht. Schwingen also in meinen Überlegungen immer noch falsche Motive mit? Geht es mir vielleicht nach wie vor nicht darum, für andere einen Mehrwert zu erschaffen sondern etwas zu finden, was für mein Inneres möglichst einfach umsetzbar ist, mir aber meinen ersehnten Lebensstil ermöglicht? Bin ich nach wie vor getrieben von den Sorgen ums Geld und dem Verlangen nach Anerkennung und äußerlicher Bestätigung?

„ICH MAG ES,  ANERKENNUNG ZU BEKOMMEN“

Vermutlich denke ich mir einfach alles kaputt. Wer sagt denn, dass dich ein starkes Warum erfolgreich machen muss? Es kann so sein, müssen tut es das aber bestimmt nicht. Und selbst wenn es alle sagen würden heißt das doch noch lange nicht, dass das auch für mich gelten muss.

Die Frage ist, kann ich erfolgreich = glücklich im Leben werden, auch wenn ich nicht beruflich = finanziell erfolgreich bin? Oh man, stelle ich diese Frage gerade tatsächlich? Was würde ich dir auf diese Frage wohl antworten? JA! NATÜRLICH KANNST DU AUCH OHNE BERUFLICHEN ERFOLG GLÜCKLICH WERDEN!!!

Warum aber gilt diese Überzeugung nicht für mich? Wieso versuche ich ausschließlich mein Glück von meiner beruflichen Freiheit abhängig zu machen? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Und noch viel schlimmer, ich weiß erst recht nicht, wie ich mich davon lösen kann…


Du hast sicherlich schnell bemerkt, dass dieser Post ganz anders ist als meine bisherigen. Vielleicht gewöhnst du dich daran. Denn Conni hat recht! Wir sollten aus dem Herzen schreiben und genau das habe ich hier getan. Conni ist meine Inspiration, meine Kraftquelle und ein Mensch, der mich mit ihrem Output unglaublich berühren kann. 

Ich habe mir einen alten Post von mir durchgelesen und fühlte mich überhaupt nicht abgeholt. Mir war es wichtig, dir einen Mehrwert zu schaffen, dir Informationen und Wissen, wenigstens aber etwas zum Nachdenken mitzugeben. Aber ganz ehrlich? Das was ich hier schreibe kann man zuhauf in Büchern und auch kostenfrei im Internet auf wundervollen Blogs nachlesen. Dafür brauchst du Guide to Happiness nicht. Und ich auch nicht. 

Ich will mehr zu mir. Mehr Herz, wie Conni sagt, in meine Post integrieren. Noch echter werden und vor allem, noch offener. Ich möchte mehr Zweifel und Probleme, Ängste und Emotionen mit dir teilen. So wie in diesem Post. Ja, vielleicht ist das weniger Mehrwert für dich. Das tut mir sehr Leid. Aber dafür bekommst du mehr von mir. Was du davon hast kann ich dir jetzt nicht sagen, ich weiß nur, je mehr ich von anderen bekomme um so besser kann ich von ihnen lernen, um so leichter können sie mich berühren. 

Eigentlich weiß ich gar nichts. Seit knapp acht Monaten arbeite ich jetzt an mir, dass ist nichts. Und ich will nicht weiter sachlich über Themen reden, die mich wahnsinnig tief berühren, mir Angst machen oder die mich so unfassbar motivieren. Ich will emotional über sie reden!

Lass mich gerne wissen, wie du dazu stehst und wie dir dieser Post gefallen hat. Danke, dass du da bist!


2 thoughts on “Die Sache mit der Passion…”

  1. Liebe Angela,

    dein Beitrag hat mich irgendwie berührt, weil ich da so viel Verzweiflung, Genervt-Sein und Ungeduld herausgelesen habe, die ich selbst noch sooo gut kenne!

    Ich will Dir meine Sicht zu ein paar Deiner Gedanken erzählen:

    „Das mag schon ein gutes Warum sein, aber es fühlt sich für mich nicht nach etwas an, mit dem ich nach draußen gehen kann“

    Tatsächlich? Oder vielleicht gibt es da ein paar fiese Glaubenssätze, Zweifel, Ängste, was auch immer, die es Dir reinflüstern: nee, das ist zu „klein“, ich bin zu „klein“?

    „Und ich glaube, wer eine Passion hat, ein richtig starkes Warum, das Ding, für das er so unglaublich brennt und bereit ist, alle eigenen Ängste zu überwinden und Zweifel zu besiegen, (…)„

    Ist das wirklich so, dass eine Passion und ein Warum eine Kraft, eine Macht besitzen, alles Zweifel und Ängste aus dem Weg zu räumen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: nein! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Viel mehr ganz oft ist es so, man gerade vor diesen Dingen Angst hat, die einem am wichtigsten sind. Diese haben nämlich das Potential das Leben zu verändern, uns zu verändern. Und evolutionorisch bedingt ist eine Veränderung für unser Gehirn einfach gefährlich… Wir versuchen Gefahren zu vermeiden ☺

    „(…)der kann etwas kreieren, was andere Menschen inspiriert, motiviert, bereichert oder unterstützt. Etwas, dass einen offensichtlichen, greifbaren Mehrwert bietet.“

    Ja, gebe ich Dir recht, aber erst, wenn ich mit den Ängsten, Zweifel, Glaubenssätzen so weit fertig geworden bin, das ich zumindest den ersten Schritt wagen kann. Es geht nicht darum, sie komplett zu besiegen. Oft bleiben sie unsere ständigen Begleiter. Es geht eher darum, dass wir ihnen das Steuer aus der Angst nehmen.

    „Muss ein Warum automatisch zu einem Mehrwert für andere führen?“

    Nein! Dein Warum ist DEIN Warum! Du musst damit glücklich sein! Wer sagt denn, dass wir nur dann glücklich sind, wenn wir einen Mehrwert für andere bieten? Das ist verrückter Gedanke, den ich früher leider auch hatte. Ich gebe Dir ein Beispiel: kann eine unglückliche Mutter ihrem Kind eine glückliche Kindheit sicherstellen und ein starkes selbstsicheres glückliches Kind großziehen? Glaube ich kaum. Wir werden dann ein Mehrwert für die anderen, wenn wir unser WARUM, das uns glücklich macht, leben. Dann strahlen wir von Innen nach Außen.

    „NATÜRLICH KANNST DU AUCH OHNE BERUFLICHEN ERFOLG GLÜCKLICH WERDEN!!!“

    Was bedeutet für Dich beruflich erfolgreich zu sein? Wie sieht Erfolg für Dich aus?

    „Wieso versuche ich ausschließlich mein Glück von meiner beruflichen Freiheit abhängig zu machen? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Und noch viel schlimmer, ich weiß erst recht nicht, wie ich mich davon lösen kann…“
    Ich dachte früher, ich muss Karriere machen, damit ich glücklich bin. Aber das ist irgendwie gesellschaftlich verankert. Und zusätzlich habe ich früher massiv an mir selbst gezweifelt und hatte und so schwaches Selbstbewusstsein, dass ich gewisse „Errungenschaften“ auf meinem Weg gebraucht habe. Ich musste einfach selbst erleben, dass ich gewisse Dinge kann. Dass ich gut genug bin. Dass ich clever genug bin. Ich dachte lange Zeit eine Karriere wäre das A und O. Dass ich dann glücklich und stolz auf mich sein kann. Aber ganz deutlich ging es dabei auch darum, den anderen zu zeigen, dass ich etwas schaffe. Und dann irgendwann kam ein Punkt, wo eine kleine Stimme in mir sich standhaft geweigert hat, den nächsten Karrieresprung zu machen. Der wäre soo einfach! Und ich habe das entscheidende Gespräch vermasselt. Das hat sich angefühlt, als ob ein anderes Wesen in mir die Steuerung übernommen hätte. Nach dem Gespräch ist die Stimme in mir auf einmal ganz deutlich geworden: „Du willst das doch gar nicht… Du hast es schon geschafft… eine noch höhere Position wird Dir genauso wenig nachhaltige Zufriedenheit geben, wie alles Bisherige“.
    Vielleicht geht es aber gar nicht, sich von dem Gedanken zu lösen das Glück von der eigenen beruflichen Freiheit abhängig zu machen. Vielleicht geht es eher darum, zu hinterfragen, ob man die Dinge für sich oder für andere macht? Mache ich es, weil es mir Spaß macht? Oder mache ich es, weil die anderen es cool finden? Und muss es gleich 100% Glück sein? Oder kann ich mein Leben stückchenweise in Richtung ganzheitliches Glück verändern? An der Stelle anfangen, wo es am einfachsten ist?

    Sei geduldig mit Dir! Ich kann es sehr gut nachfühlen, wie es Dir geht. Dort war ich auch mal. Ich weiß, wie es einen zerreißt, immer noch nicht zu wissen, was wichtig ist, wohin man will, soll… Aber bleib dran! Ich drück Dich!

    Puh, das ist jetzt sehr lang geworden 😀

    1. Wow, ich bin gerade sehr berührt, danke für deine Zeit die du dir für mich genommen hast!

      Ja, in mir schwingen so einige negative Glaubenssätze, allen voran der, dass ich nicht gut genug sei. Daran arbeite ich gerade auf Hochtouren!

      Du hast schon mit allem Recht was du schreibst. Bei unserem Warum geht es wirklich nur um uns selbst und nicht um irgend jemand anderen. Ich glaube, als ich den Post schrieb sind ganz klar zwei Dinge durcheinander geraten. Auf der einen Seite mein Wunsch endlich herauszufinden, wofür ich eigentlich hier bin. Also es endlich zu schaffen mir selbst, meinem Leben einen Sinn zu geben. Und auf der anderen Seite etwas zu finden, mit dem ich meine Vorstellung von einem „glücklichen“ Leben realisieren kann.

      Du fragst, was für mich beruflicher Erfolg ist. Hm, ich würde für mich sagen, dass ich dann beruflich erfolgreich bin, wenn ich mit meiner Arbeit mir ein freies und unabhängiges Leben finanzieren kann, wenn ich durch meinen Job die finanziellen Möglichkeiten habe, auch mal größere Sprünge machen und anderen Menschen (allen voran meiner Familie, meinen Eltern) helfen oder ihnen eine Freude machen kann und wenn meine Tätigkeit in irgendeiner Weise (motivierend, inspirierend, glücklichmachend,…) andere Leute berührt und ihnen in ihrem Leben hilft.

      Ich weiß, wie ich leben möchte, nur weiß ich eben nicht, womit ich dieses Leben finanzieren soll. Und leider bin ich derzeit sehr auf diesen finanziellen Aspekt ausgerichtet da es mir DER Punkt zu sein scheint, der mich aufhält. Was eigentlich Blödsinn ist, denn es sind eben auch noch Glaubenssätze und Ängste da, an denen ich arbeiten muss. Und obwohl ich überzeugt davon bin, dass dieses die größten Baustellen sind, ist es das Geld was mir am meisten zu schaffen macht…

      Wie gesagt, den Sonntag war ich wirklich nicht gut drauf und ich denke, ich habe zwei große Punkte zusammengeschmissen. Denn an sich bin ich mir sicher, dass sich alles zusammenfinden wird. Ich arbeite ja inzwischen sehr an mir, an meiner Einstellung, daran, mich selbst besser kennenzulernen, meine Ängste und Glaubenssätze anzugehen, Gewohnheiten zu ändern. Es ist, wie du schon sagst, mal wieder die fehlende Geduld… 🙂

      Noch mal Danke für deinen Kommentar, ich freue mich sehr darüber!

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