Angst

Heute möchte ich dir eine Geschichte erzählen. Eine wahre Geschichte die ich selbst gerade erst erleben durfte. Die Protagonisten sind Angst und eine junge Frau. Lass uns starten…

WIE ALLES BEGANN

Eines der Ziele 2017 der jungen Frau ist, ihre Ängste anzugehen. Sie will lernen, sie zu akzeptieren, mit ihnen umzugehen und vielleicht die eine oder andere Angst auch zu überwinden.

Die junge Frau hat viele Ängste, oder vielleicht auch nur eine. Letztendlich summiert sich alles in dem Gefühl, Dinge alleine nicht zu schaffen, nicht gut genug zu sein.

Irgendwann im Januar wurde die junge Frau von einer Internetfreundin gefragt, ob sie auch zu dem Treffen einer Gruppe, der sie beide angehören, im Februar kommen würde.  Das Treffen sollte in Hamburg, einer wunderschönen norddeutschen Stadt, stattfinden.

DAS PROBLEM

Natürlich wollte die junge Frau gerne dabei sein, aber ganz alleine? Allein nach Hamburg fahren? Alleine fremde Menschen kennenlernen? Nein, das geht nun wirklich nicht. Also fragte sie andere Internetbekanntschaften und Freunde aus ihrer Stadt, die ebenfalls Mitglieder der Gruppe sind. Doch niemand hatte Zeit.

Die junge Frau sagte ab. Neben dem unguten Gefühl, dass alles alleine machen zu müssen, war es ihr auch einfach zu teuer alleine nach Hamburg zu reisen.

Befürchtung

DIE WENDE

In den nächsten Tagen verstanden sich die junge Frau und ihre Internetfreundin immer besser und in ihr wuchs der Wunsch, ihre Freundin persönlich kennenzulernen.

Am Sonntag würde das Treffen stattfinden, am Mittwoch entschied sie sich, es zu besuchen. Nach kurzer Recherche war klar, dass der FlixBus sie sehr kostengünstig von A nach B bringen würde auch die Weiterfahrt vom Hamburger Bahnhof zum eigentlich Treffpunkt war schnell ermittelt.

Eine Nachricht später stand fest, es geht nach Hamburg. Allein.

DIE ANGST

Wovor hatte die junge Frau eigentlich Angst gehabt?

Es ist sehr schwierig, dies in Worte zu fassen. Angst ist in der Regel nicht rational. Und auch bei der jungen Frau spielte sich die Angst überwiegend in ihren Gefühlen ab. Es war ihr kaum möglich zu begründen, warum sie solch eine Angst hatte.

Alles war sorgfältig durchdacht. Jede Verbindung inklusive Alternativen war auf dem Handy abgespeichert. Die Tickets waren auf dem Handy in der FlixBus-App und ausgedruckt in der Handtasche. Der Freund war stets telefonisch erreichbar. Die junge Frau hatte alles Erdenkliche getan um sich vorzubereiten.

Und dennoch, auf dem Weg zum Bahnhof, bevor sie also in den Bus Richtung Hamburg steigen würde, kämpfte sie vor Angst mit den Tränen. Zu dem Gefühl, dass eigene Blut würde meterhohe Wellen in ihren Adern schlagen kam der Ärger über sich selbst.

Es war ein grauenvolles Gefühl und am liebsten wäre die junge Frau für immer unter ihrer Bettdecke verschwunden.

Panik

DAS ZIEL

Aber da war ja dieses eine Ziel. Ihr größter Wunsch. Frei zu sein. Frei zu sein von den eigenen Ängsten. Angst haben ist ok, das weiß auch die junge Frau. Aber wenn die Angst dich lähmt und verhindert, dass du die Dinge tust, die du gerne machen und erleben würdest, dann verliert die Angst ihre Funktion, dich zu schützen. Ab diesem Moment ist sie ein Hindernis.

Die junge Frau erinnerte sich daran. Sie wollte ihre Angst besiegen. Und dieser Tagestrip ist der erste Schritt.

Atmen. Ein. Aus. Ein. Aus. Immer ruhiger.

Sie war da.

DER MUT

Trotz ihrer Angst verabschiedete sich die junge Frau von ihrem Freund und stieg mit wackeligen Beinen in den Bus.

Jetzt gab es kein Zurück mehr und die erste Hürde „sind die Fahrkarten überhaupt richtig?“ (ja, man kann sich sehr in seine Angst hineinsteigern und für Außenstehende unbegreifliche Befürchtungen entwickeln), war genommen.

Als der Bus auf die Autobahn fuhr schloss die junge Frau ihre Augen. Atmen. Ein. Aus. Ein. Aus.

Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte spielte sie mehrfach in Gedanken den heutigen Tag durch. Nicht so, wie der Tag ihrer Angst nach ablaufen würde, sondern so, wie er ablaufen würde, wenn sie mutig wäre und selbstsicher und voller Vertrauen ihre Aufgaben erledige.

Zwei mal. Nun fing sie an zu lächeln. Sie saß tatsächlich, alleine, im Bus nach Hamburg. Gedanken wie „für andere ist das hier ein Witz“ verscheuchte sie. Für die junge Frau war das ein großes Abenteuer und in Hamburg würde es weitergehen. Zum ersten Mal alleine die S-Bahn finden, das Ticket kaufen und wildfremde Menschen treffen. Alles alleine.

Mut

MIT DER ANGST HAND IN HAND

Hat die junge Frau ihre Angst besiegt? Nein. Die Angst war stets an ihrer Seite. Beim Verlassen des FlixBusses, beim Kauf des Fahrttickets für die S-Bahn, beim Begrüßen der ersten Leute des Treffens. Im Dunkeln auf dem Rückweg zur S-Bahn-Station und beim Suchen des Abfahrtortes am Busbahnhofs.

Aber inzwischen stemmte sich die Angst nicht mehr gegen die junge Frau. Nein. Sie gingen Hand in Hand. Vorsichtig. Schritt für Schritt Richtung Ziel.

„Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, die eigene Angst zu überwinden.“ Francois Mitterrand


 

P.S. hier kannst du dir mein Fazit noch einmal in anderer Form anschauen

 

5 thoughts on “Die junge Frau und ihre Angst – eine Geschichte”

    1. *-* Danke für deine lieben Worte. Ja ich habe es geschafft und ja, ich war und bin stolz auf mich. Aber es war wirklich wahnsinnig schwierig für mich und ich kann jetzt nicht mal sagen, ob ich jetzt weniger Probleme hätte. Bei der gleichen Strecke wäre es vermutlich ok, eine andere Strecke würde mich wahrscheinlich wieder um den Verstand bringen 🙂
      Ich hab dich auch lieb :-*

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